Die Sonnenfinsternis am 13./14.11.2012



von

Dr. Wolfgang Strickling


Leider waren wir an unserem Beobachtungsort am Wangetti Beach zur Totalität "clouded out", so dass wir die Korona nicht sehen konnten. Sehr eindrucksvoll war aber der Mondschatten zu sehen, wie er über das Meer davonzog. Die Koordinaten und Zeiten an unserem Beobachtungsort:
Mi, 14.11.2012 6:39:17 UTC+10h: totale Sonnenfinsternis, Dauer 2:05.1 s
Sonnenaufgang 5h35m (Azimut 109°), Untergang 18h28m (Azimut 251°)
in Wangetti Beach (-16°39'15.4"S 145°34'08.1"E) DeltaT = 66.9 s.

Cairns AEST (UTC+10h)
Zeit UTC Azimut Elev. Fliegende Schatten
1. Kontakt: 14.11.2012 5:44:34,6 19:44:34,6 109° 1.3°
2. Kontakt: 14.11.2012 6:38:14,6 20:38:14,6 105° 14° 86°
3. Kontakt: 14.11.2012 6:40:19,7 20:40:19,7 105° 14° 82°
4. Kontakt: 14.11.2012 7:39:56,3 21:39:56,3 102° 28°

SonnenaufgangDetails zu den Zeiten in meinem Berechnungsprotokoll von EclipseDroid.

Diese Software hat mir sehr geholfen, die Finsternis vorzubereiten, die Zeiten zu berechnen und meine Kamera zu steuern. Leider haben dieses Mal die Wolken nicht mitgespielt, so dass ich keine brauchbaren Aufnahmen der Korona oder der Kontakte erhalten konnte.
Einzig ein paar Bilder der partiellen Phasen mit einigen schönen Sonnenflecken und ein netter Sonnenaufgang sind die fotografische Ausbeute meiner Teleausrüstung.

Im Bild links ein Foto meines Handys mit EclipseDroid und die daran angeschlossene Kamera, die gerade ein LifeView-Bild auf dem Display zeigt.
Wie man erkennt, läuft EclipseDroid absolut genau :-))



 

Trotzdem (oder gerade wegen der Wolken) war der heranziehende und abziehende Mondschatten sehr schön zu sehen. Unten eine Sequenz aus drei Fischaugenaufnahmen 10 Sekunden vor, genau zum und 10 Sekunden nach dem zweiten Kontakt. Eine komplette GIF-Animation finden Sie hier (7.4 MB Dateigröße). Man erkennt sehr schön, dass es im Norden (im Bild unten links) nicht richtig dunkel wird, da dort der Rand der Totalitätszone sichtbar ist und nicht durch die Berge verdeckt wird.
Fisheye 10 s vor C2  Fisheye Aufnahme beim zweiten Kontakt  Fisheye-Aufnahme 10 s nach dem zweiten Kontakt

Farbenspiel während der TotalitätAuch meine Kompaktkamera hat den Mondschatten und das Farbenspiel während der Totalität besonders eindrucksvoll festhalten können.
Auf von dieser Bilderserie habe ich eine GIF-Animation erstellt. Bitte ins Bild oder hier  klicken zum Start der Animation (Dateigröße 3,5 MB, Abstand der Bilder: 20 s). Man beachte den Mondschatten, der sich wie ein dunkler Kegel aus dem Zenit in Richtung Horizont schiebt.

Das Wetter während der Sonnenfinsternis

Auch bei dieser Sonnenfinsternis habe ich mein Wetter - und Atmosphärenequipment mitgeführt. Es bestand aus zwei Mikrocontrollern auf Basis des C-Control, die diverser Messgeräte und Kameras steuerten. Es wurden die Umgebungshelligkeit, die Himmelhellligkeit, die Temperaturen in 1 m und 0.1 m Höhe und im Boden, die Luftfeuchte und die Windgeschwindigkeit gemessen und im Speicher protokolliert. Diegrößere C-Control-Unit hatte auch die Aufgabe, eine Spiegelreflexkamer mit Fischaugenobjektiv und eine Kompaktkamera (lim linken Bild für das Foto abgenommen) zu steuern, um die oben gezeigen  Fotosequenzen automatisch aufzunehmen. Daneben stand noch eine Videokamera zur Aufnahme eventuell auftretender fliegender Schatten zur Verfügung. In den Mikrofoneingang wurde das Frequenzsignal eines zusätzlichen Helligkeitssensors für die Auswertung der Fliegenden Schatten eingespielt.




Wetter während der SonnenfinsternisDie Finsternis begann schon drei Minuten nach dem Sonnenaufgang am Wangetti Beach, so dass es zu keiner nennenswerten Erwärmung in der ersten partiellen Phase kam. Eine kleinere Temperaturerhöhung könnte mit einer Wolkenlücke oder wahrscheinlich dem Auffrischen des Windes und dem Herantransport wärmerer Luft zusammenhängen. Letzteres läßt auch die untenstehende Kurve der Totalität vermuten, denn die Temperatur schien an dem Tag deutlich mit dem Wind zusammenzuhängen.

Während der Totalität kam es zu einem Auffrischen des vorher überwiegend schwachen (ca. 1 m/s) Windes auf maximal knapp 6 m/s, der sich dann tendenziell auch in der zweiten Phase hält und sogar später weiter auf fast 10 m/s zunimmt. Die Bodentemperatur stieg erst dann merklich an, als sich in der zweiten Hälfte der partiellen Phase ein größeres Wolkenloch zeigte.




Temperatur und Helligkeit während der Totalität

Diese Grafik in den zentralen 30 Minuten zeigt gut den Helligkeits- und Temperaturverlauf während der Totalität. Die Kontakte sind wieder wie oben mit senkrechten hellgrauen Strichen markiert. Die Helligkeit fällt auch minimal ca. 3,5 Lux ab - ein Wert, der nach meiner Erfahrung etwa dem bei anderen Finsternissen entspricht.

Interessant ist das Auffrischen des Windes während der Totalität. Es könnte sich dabei um den öfter beschriebenen "Finsterniswind" handeln. Allerdings ist die Windgeschwindigkeit auch danach immer noch relativ hoch. Man erkennt auch eine deutliche Asymmetrie der Kurve in Relation zu den Kontakten, und zwar wird das Helligkeitsminimum vor der Finsternismitte erreicht und auch die Flanken sind asymmetrisch mit geringerer Helligkeit zum Zweiten und höherer Helligkeit zum dritten Kontakt. Ich denke nicht, dass das ein Effekt der Bewölkung ist, sondern vermute, dass das eine Folge des niedrigen Sonnenstandes zur Totalität ist. Und zwar hat die Mitte des Mondschattens unseren lokalen Zenit früher erreicht als die niedrig stehende Sichtlinie Sonne-Beobachter.

Hier Download der gesamten Messwerte als CSV-Datei, hier Download einer Grafik über den Helligkeits- und Temperaturverlauf vom 12.-15.11.2012.


SQM-Werte

Auch mein SQM hat während der Finsternis brav die Himmelshelligkeit registriert. Im Helligkeitsminimum wurde im Zenit eine Helligkeit von rund 13 mag/Quadratbogensekunde gemessen. Allerdings sind diese Messungen wegen der Wolken leider nicht allzu aussagekräftig. Auch hier zeigt sich die Asymmetrie des Helligkeitsverlaufes relativ zu den Kontaktzeitpunkten, wie schon oben diskutiert.

Leider wurden die geplanten Messungen des Nachthimmels im Outback mit dem SQM durch die Bewölkung vereitelt, denn wir wurden auch auf unserer Rundreise von den Wolken nicht verschont. Immerhin konnte ich in Jabiru auf einem dunklen Platz am Ortsrand eine Himmelshelligkeit im Zenit von 20.65 mag/arcsec2 messen. Verglichen mit unserem Kleinstadthimmel (20.2mag/arcsec2) in Deutschland ist das schon ganz ordentlich, aber erwartungsgemäß nicht rekordverdächtig.

Diese Messungen können Sie hier im CSV-Format herunterladen.





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letztes Update: 02.12.2012
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