von Dr. Wolfgang
Strickling
Meine Wahl fiel auf den
C-Control-Pro
Microcontroller,
denn er erfüllt mit wenig zusätzlicher Hardware alle obige
Forderungen, ist einigermaßen preisgünstig und einfach zu
programmieren. Es gibt die C-Control in zwei Versionen: die
einfache Mega 32, die für kleinere Anwendungen ausreicht, und die Mega
128, die auch für größere Programme ausreichend Programmspeicherplatz
bereithält. Und mit der Zeit wurde das Projekt so umfangreich, dass ich
beizeiten auf die Mega128 umgestiegen bin. Bei der Entwicklung entstand
als "Abfallprojekt" noch ein
Nachbau des
"Sky Quality Meters" (SQM).
Das
Aufbau des Gerätes (s. Abbildung links)
Der Controller wird über einen I
2C-Bus mit einem
batteriegepufferten Uhren- und Timerbaustein (DS3232), mit mehreren
Speichermodulen (2 x 24LC1025 oder 24LC256), und bis zu 8
Thermometerchips (DS1621)
verbunden.
Der Windmesser (Anemometer) und das Luxmeter (TSL230) nutzen zwei
getrennte
Frequenzmesseingänge des Controllers. Ein Feuchtigkeitssensor
(HIH-4031) wird über den Analogeingang ausgelesen. Alternativ
kann dieser Eingang für einfache Multimeterzwecke genutzt werden.
Der
Controller verfügt schon über vorkonfigurierte Eingänge für eine
serielle Schnittstelle und ein Standard-LCD-Display (2Zeilen x 20 Zeichen), die von der Gerätesoftware
gut unterstützt werden.
Weitere Ein- und Ausgänge des Controllers
sind mit den Bedienungstasten verbunden. Hierüber können wichtige
grundsätzliche Einstellungen des Gerätes auch ohne PC getätigt werden.
Über die serielle Schnittstelle können mit Hilfe eines PCs alle Parameter konfiguriert
werden, Messprotokolle heruntergeladen oder auch mitgeschnitten werden.
An weitere freie Ausgänge können auch elektronische
Kameras mit einem Kabelauslöser angeschlossen werden.
Der Uhrenbaustein enthält auch
ein batteriegepuffertes statisches RAM zur Zwischenspeicherung
von
Systemvariablen. Diese können auch im internen EEPROM des Controllers
gesichert werden. Der Baustein kann über seinen Alarmausgang mit Hilfe des
schaltbaren Low-Drop-Spannungsreglers (LF 50) das Gerät zu einem
voreingestellten Zeitpunkt einschalten und nach Durchführung einer
Messung wieder abschalten. So können sehr lange Messreihen ohne
nennenswerten Stromverbrauch realisiert werden.
Download des
Blockschaltbildes
und des
Schaltplanes.


Ein
besonderes Bonbon sind die Pulsweitenmodulations- (PWM-) Ausgänge, über
die ohne zusätzliche Beschaltung mehrere handelsübliche Servos aus dem
Modellbau
angeschlossen werden können. Mit Hilfe so eines Servos konnte ich mit
einer Digitalkamera eine automatische Fotoserie erstellen, obwohl die Kamera keinen Anschluss für Kabelauslöser hat (
s. Foto rechts).
Das fertige Gerät wird
mit einem
Akku oder einer Batterie, wie ich sie in meiner Digitalkamera auch
nutze, betrieben. Die
Wettersensoren sind über einen Stecker mit dem Gerät verbunden, so dass
sie einfach gegen andere Hardwarekomponenten ausgewechselt werden können. So kann das Gerät
je nach externer Zusatzhardware als Wetterstation,
Himmelhelligkeitsmesser, Multimeter oder Kameratimer dienen.
Links: meine beiden
Geräte bei ihrem Feldeinsatz während der Sonnenfinsternis
2009 in China
Das Gerät verfügt über verschiedene Betriebsarten: Den Uhrmodus, die
Wetterstation, das Sonnenfinsternisprogramm, Nightsky-, SkyScan- und
Multimetermodus, Fotoauslösung, Servomodus und Setup-Modus.
Zur Bedienung sind fünf Tasten vorgesehen: Eine Resettaste, eine
Moduswahltaste zum Umschalten zwischen den Normalbetrieb und
Setup-Modus, eine Up-, Down und eine Enter-Taste. Im Normalbetrieb
haben die Tasten folgende Funktionen:
| Taste |
Clock und Meteo |
Eclipse |
NightSky |
SkyScan |
Multimeter |
Foto |
Servo |
Reset |
| Enter |
Programmende |
Foto |
-> Frequenzmodus |
Scan Sky |
-> NightSky Modus |
Fotosequenz starten |
Servo-Foto starten |
Mode Taste: Startet seriellen Bootloader |
| Up |
Log Messwert |
Log Wetter |
Log Messwert |
Intervallzeit erhöhen |
Winkel erhöhen |
-> Clock Mode |
| Down |
Automatisches Logging ein- oder ausschalten |
Intervallzeit erniedrigen |
Winkel erniedrigen |
"Werkseinstellung", Clock Mode |
Das
Himmelshelligkeits-Messgerät


Da der Helligkeitssensor (TSL230)
die Lichtintensität in eine Frequenz
umsetzt, kam die Idee auf, das Gerät auch für Messungen der
Nachthimmelshelligkeit zu verwenden. Solch ein Instrument wird von der
Firma
Unihedron
als "Sky Quality Meter"
(SQM) vertrieben. Es nutzt den etwas empfindlicheren TSL237 des
gleichen Herstellers, der ebenfalls ein Licht-zu-Frequenz-Konverter
ist.
Zum Nachbau haben wir in unserem Astroverein mehrere TSL237 bestellt
und
mit verschiedenen Hardwareumgebungen selbstgebaute Sky Quality Meters
realisiert. Für ein einfaches SQM reicht die C-Control Mega32 auf bei
weitem aus, man kann mit entsprechender Programmiererfahrung auch
durchaus noch einfachere Controller für diesen Zweck
einsetzen. So
kann man für wenig Geld ein vollwertiges SQM selbst bauen und nach
eigenen Vorstellungen gestalten. Nur zur
Kalibrierung haben wir uns eines kommerzielle Originalexemplares
bedient. Das Gerät gibt laufend die aktuelle Himmelshelligkeit in
mag/arcsec
2 an, so wie das originale SQM. Mit
der Anpassung einer einfachen Gerätekonstante im Speicher kann es an
das Originalgerät angepasst werden.
Zum Vergleich der Messwerte mit dem SQM erscheint mir allerdings
wichtig, dass man
ein Filter mit einer ähnlichen Transmissionskurve wie
das Hoya
CM-500 in Unihedrons Gerät vor den Sensor montiert. Ich habe das
IR-Blockfilter ("Hotmirror") aus einer alten Videokamera verwendet, es
entspricht hervorragend dem CM-500. Um den Sensor gegen Streulicht
abzuschirmen, habe ich ihn in ein schwarzes Filmdöschen mit 30°
Öffnungswinkel montiert. Die Abbildung rechts stellt das CM-500 der
Kurve meines Hotmirrors, eines einfachen IR-Blockfilters aus einen
Diaprojektor und der Standardkurve für das skotopische Sehen
(Nachtsehen) des menschlichen Auges gegenüber.
Bei der
Sonnenfinsternis 2009
habe ich die Himmelshelligkeit an
verschiedenen Punkten des Himmels in ihrem zeitlichen Verlauf messen.
Dazu wurde der Sensor schwenkbar auf zwei Servos montiert (Bild oben
links). Damit
konnte ich jeden Punkt des Himmels anfahren und gezielt ausmessen. Mit
den Servos an den PWM-Ausgängen war die Ansteuerung kein
Problem.

Links:
das fertig aufgebaute Himmelshelligkeits-Messgerät,
Rechts: das
Geräteinnere der MEGA-32-Version
mit Displaymodul (links oben), Akku
(links unten), dem Controller mit Pegelwandler, Ansteuerchip für das
Display und zwei Speichermodulen auf Lochrasterplatine montiert.
In der Abbildung links ist der Dämmerungsverlauf bei klarem Sadthimmel in Haltern am See aufgezeichnet. Zusätzlich
eingezeichnet ist Depression der Sonne in Grad unter dem Horizont auf
der rechten Skala.
Das Gerät verfügt über zwei Tasten für den Betrieb:
Eine Resettaste und eine Moduswahltaste, die zyklisch zwischen Uhr-,
Nightsky, SkyScan und Frequenzmessung umschaltet. Diese Taste aktiviert
beim Reset auch den seriellen Bootloader, um über die serielle
Schnittelle eine neue Gerätesoftware aufzuspielen.

Die Feineinstellung aller Parameter kann bequem
über einen PC und die serielle Schnittstelle vorgenommen werden. Dazu
habe ich ein kleines Programm in
Basic4PPC geschrieben
(s. Bild links).
Damit können auch die Daten aus den EEPROMs ausgelesen werden. Da die
Daten direkt im CSV-Format im EEPROM abgespeichert werden, können sie
einfach in eine Tabellenkalkulation zur weiteren Verarbeitung oder
grafischen Darstellung exportiert werden.
Das Gerät kann
entweder über die serielle Schnittstelle oder über einen USB-Anschluss
(die ist auf dem Application Board fertige aufgebaut) direkt mit der
C-Control
IDE Programmierumgebung neu programmiert werden.
Die Programme können in einem speziellen C- oder Basic-Dialekt
geschrieben werden, für das es auch ein recht gute deutschsprachiges
Supportforum von den Entwicklern gibt.
Künftige Erweiterungen könnten z. B. noch eine Schnittstelle für einen
Hygrometer-Baustein oder ein Barometer umfassen.
Downloads:
© Dr. Wolfgang Strickling,
Drususstr. 15, 45721 Haltern am See. Tel: 0 23 64
/ 16 76 91